Margaret Smith

Rabi'a von Basra "Oh, mein Herr, Du genügst mir!" - Leseprobe

Seite 28 Liebe - Gnosis - Die Visionen - Vereinigung - Seite 123 Eines Tages sahen einige Heilige, daß Rabi'a Feuer in die eine Hand und Wasser in die andere genommen hatte und schnell rannte. Sie sagten zu ihr: "O Herrin der nächsten Welt, wohin eilst du, und was soll dies bedeuten?" Sie erwiderte: "Ich gehe, um Feuer ans Paradies zu legen und Wasser in die Hölle zu gießen. so daß beide Schleier (d.h. Hindernisse zur wahren Schau Gottes) für die Pilger völlig verschwinden mögen und ihr Ziel gewiss sei, so dass die Diener Gottes Ihn schauen möchten ohne irgendeinen Gedanken der Hoffnung oder Motiv der Furcht. Was wäre, wenn die Hoffnung aufs Paradies und die Angst vor der Hölle nicht existierten? Nicht einer würde seinen Herrn anbeten oder Ihm gehorchen." Seite 124 Unter ihren Aussprüchen zu diesem bedeutenden Thema der all-verzehrenden Liebe zu Gott erwähnt 'Attar auch, wie Rabi'a eines Tages gefragt wurde: "Liebst du den Herrn der Herrlichkeit?" Vielleicht meinte der Frager, es sei ihr unmöglich oder vermessen, jemanden zu lieben, der so hoch über einem steht. Aber sie sagte: "Ja, ich liebe ihn." Dann wurde sie gefragt: "Hältst du Satan für einen Feind?" Sie antwortete: "Nein", und die anderen fragten erstaunt: "Wie das?" Rabi'a sagte: "Meine Liebe zu Gott läßt keinen Raum, Satan zu hassen." Und sie fuhr fort und sagte: "Ich sah den Propheten in einem Traum, und er fragte mich: 'O Rabi'a, liebst du mich?' Ich erwiderte: 'O Prophet Gottes, wen kann es geben, der dich nicht liebt? Aber meine Liebe zu Gott beherrscht mich so, daß kein Raum bleibt für irgendeine Liebe oder Hass außer zu Ihm." Dann sagte jemand zu ihr: "Was ist Liebe?" - eine nicht weniger tiefschürfende Frage als die des Pilatus 'Was ist Wahrheit?' Sie erwiderte: "Liebe kommt aus der Ewigkeit und führt in die Ewigkeit, und in den siebzigtausend Welten ist niemand zu finden, der einen Tropfen davon trinkt, bis dass er schließlich versunken ist in Gott, und daher stammt der Ausspruch: 'Er liebt (Seine Heiligen) und sie lieben Ihn'." Rabi'as Askese - ihr Gebetsleben - Seite 50 "O mein Herr, was immer Du mir für einen Anteil an dieser Welt verleihst, verleih es Deinen Feinden, und was immer Du mir für einen Anteil an der nächsten Welt schenkst, schenke es Deinen Freunden. Du genügst mir." Seite 51 - "O mein Herr, wenn ich Dich anbete aus Furcht vor der Hölle, verbrenne mich in der Hölle, und wenn ich Dich anbete aus Hoffnung auf das Paradies, schließe mich davon aus, aber wenn ich Dich anbete um Deiner Selbst willen, dann versage mir nicht Deine ewige Schönheit." Rabi'as letzte Lebensjahre - ihre Krankheiten und ihr Tod - Seite 64 "Meine Krankheit stammt aus dem Inneren meines Herzens, so daß alle Ärzte der Welt keine Macht hätten, mich zu heilen. Und das Pflaster für meine Wunde ist die Vereinigung mit meinem Freund; (nur so) kann ich beruhigt werden. Nicht morgen (d. h. noch nicht) werde ich mein Ziel erreichen. Aber wenn mich der Schmerz auch nicht berührt, scheine ich doch Schmerz zu leiden."